Auszubildende als Fachforscher

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und wenn die SRH-Fachschule Frankfurt am Main auf Ausbildungsreise geht, dann schickt Sie ihre besten Pferde ins Rennen: Nämlich ihre Schülerinnen und Schüler der Berufssparten Erziehung und Sozialassistenz. Ausgestattet mit einer Portion Neugier verstreuten sich die Pennäler des Jahrgangs 2012/2013 in alle Windrichtungen und gingen als Laien-Journalisten auf eine fachliche Abenteuerreise, um in Erfahrung zu bringen wie das so geht mit der Erziehung von Kindern. Als Auszubildende begaben sie sich auf die Walz und heuerten an als Suchende und Fragende an den Pforten der Theorie und Praxis. Dabei zog die fachliche Reise die Novizen tief hinein in den Bann der Welt der Erziehung. Diese „Große Fahrt“ führte sie vorbei an den harten Fakten und der kühlen Termini wissenschaftlicher Studien. Die Wissenschaft ist eine grausame Geliebte, pflegte bereits Goethe zu sagen. Doch die Freude an Wissen, Erkenntnis oder Fachsimpelei sind der Welten Lohn für die Reise durch Eifer, Fleiß und Wissensdurst. Mit diesem Päckchen auf der Schulter berührte die Reise durch die Pädagogik auch der Studierenden Herz und Hand. In diesem Sinne eroberten die Entdeckungsreisenden auch die Sphären der eigenen inneren Erfahrungswelt – denn: wie war das doch gleich mit der eigenen Erziehung? Wer lernen will wie man Kinder führt muss als erstes einmal erkennen und erspüren wie man selbst einstmals als Kind geführt wurde. An dieser Stelle wird die Beschäftigung mit der eigenen Biographie zur archäologischen Ausgrabungsstätte längst verschütteter Schichten kindlicher Erfahrungsbereiche. Und letztlich führte die Reise vorbei am bunten Jahrmarkt der Gefühle. An dieser Stelle erlebten die Pilger der Emotionen die Vielfalt eigener gefühlsgeleiteter Handlungen von Anteilnahme über Distanz und Nähe bis Züchtigung. Spätestens jetzt wird den Bildungsreisenden deutlich, dass Erziehung mehr ist als bloß die Förderung der Entwicklung eines Menschen und die Formung seines Charakters. Erziehung ist nicht nur ein fachlich-technischer Vorgang, sondern sie steht und fällt in ihrem Prozess und in ihren Wirkungen mit den jeweils erziehungshandelnden Persönlichkeiten, sie hat also mit der pädagogischen Fachkraft selbst zu tun. Wer erzieherisch tätig ist, setzt als Werkzeug seine Person inklusive Wissen und Können ein in unzähligen Gesprächen und Handlungen mit Kindern, Team-Kolleginnen, Eltern und der Öffentlichkeit. Und so steht zu Beginn der Ausbildung im sozialen Bereich stets die Wirkung des eigenen Selbst auf dem Prüfstein. Die Persönlichkeit wird reflektiert, modelliert und professionstauglich für den Beruf ausgebildet. Die Aussage: „Ich bin Erzieherin“ ist eine Profession und nichts wofür man sich schämen muss. Denn Kinder brauchen kompetente, authentische, kreative und starke Persönlichkeiten an ihrer Seite. Die fachliche Qualität der Ausbildung spiegelt sich dabei wider in den guten Fachbeiträgen, die die angehenden Erzieherinnen und Sozialassistentinnen auf ihrer Reise durch die Fachwelt in akribischer Recherchearbeit und in einem diskursiven Auseinandersetzungsprozess erstellt haben. Mit diesem für die Fachwelt, für Eltern und am Erziehungsberuf Interessierte hergestellten Erziehungsmagazin wollen wir diese Reise mit den Augen der Neulinge nachvollziehen und staunend feststellen wie spannend professionelle Erziehung sein kann. Nehmen wir Neues mit auf unsere Wege, denn wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen, ganz nach dem Motto: Wer schreibt, der bleibt.

Editorial von Ralf-Peter Nungäßer zum Unterrichts-Projekt „Erziehungsmagazin“ im Schulsemester Erzieherausbildung SRH-Fachschule Frankfurt, 2013


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