Pädagogik und Leadership

Die Begriffe „Pädagogik“ und „Führung“ implizieren bei pädagogischen Fachkräften ein ambivalentes Berufsverständnis. Einerseits sind Pädagogen Fachleute, die qua Amtes andere Menschen „führen“ und auf der anderen Seite sind es Angestellte, die sich von Vorgesetzten führen lassen müssen. Das ist in diesem Fall eine formale und gleichzeitig emotionale Sandwichposition, mit der Pädagogen und Pädagoginnen im beruflichen Alltag fertig werden müssen. Wer führen will, der muss Verantwortung übernehmen, nämlich einerseits Ziele setzen, Aktionen initiieren, Beziehungen handeln und Ergebnisse überprüfen und andererseits muss man als Geführter Verantwortung rechtfertigen durch das Verfolgen vorgegebener Ziele, die Durchführung konzeptioneller Aktionen, die Pflege von Beziehungen und durch Evaluation seine Arbeitsergebnisse überprüfen lassen. Als Pädagoge/Pädagogin im Angestelltenverhältnis ist man einem antagonistischen Machtgefüge ausgesetzt durch eigene Machtausübung und durch fremde Machtausübung über sich selbst. Die Frage, die sich dabei stellt, ist, ob es Möglichkeiten gibt, um in dieser Machtdiffusion eine konstruktive Orientierung zu erhalten. Und wenn ja, welche?


(C) 2019 by Ralf-Peter Nungäßer